Startseite » Geländer-Infoseite » Sicherheit bei Geländern – allgemeine Info

Sicherheit bei Geländern – allgemeine Info

Benötigt der neue Sitzplatz ein Geländer? Welche Höhe muss das Geländer auf dem Balkon mindestens aufweisen? Hat man das alte Geländer sicher genug gebaut? Wie gross darf der Füllstababstand bei einem Staketengeländer sein? 

Sicherheit im Eigenheim und in öffentlichen Gebäuden ist wichtig. Geländer übernehmen dabei einen essentiellen Teil: Sie schützen vor Stürzen aus der Höhe. Wichtig dabei ist, dass ein Geländer nicht nur die Eigentümer vor Stürzen schützt. Vielmehr schützt ein Geländer auch vor Forderungen Dritter bei Stürzen, seien dies Nachbarkinder oder Einbrecher.  Für letztere will wahrscheinlich kein Eigentümer deren Genesung bezahlen müssen. 

 Nachfolgend haben wir Ihnen allgemeine Informationen zu Sicherheit bei Geländern übersichtlich zusammengestellt.

Welche Normen gibt es zu Geländern in der Schweiz?

Der Schweizerische Ingenieur- und Architektenverein (SIA) hat Richtlinien für ein möglichst sicheres Bauen erlassen. Für die Geometrie der Geländer ist die Norm SIA 358 relevant, wobei noch weitere Richtlinien existieren. Vorgaben für die Statik der Geländer sind in der Norm SIA 261 zu finden. Ausführliche Angaben zur Statik finden Sie im Kapitel „Qualität„. Die bfu – Beratungsstelle für Unfallverhütung – hat die Richtlinien übersichtlich in ihrer Fachbroschüre „Geländer und Brüstungen“ zusammengetragen.  Untenstehend finden Sie die Broschüre zusammengefasst. Zudem hat die bfu ein kurzes Video zum Thema erstellt, welches wir weiterempfehlen:

Wann braucht es ein Geländer?

Jede bei Normalbenutzung für Personen begehbare Fläche mit einer Absturzgefahr muss durch ein Schutzelement gesichert sein. Nach Norm SIA 358 ist ab 100 cm Absturzhöhe grundsätzlich ein Schutzelement erforderlich. Falls ein Fehlverhalten von Kindern ausgeschlossen werden kann (z.B. in Industriebetrieben) sind die Vorgaben für die Ausbildung der Geländer relativ rudimentär. Als Mindestanforderung gelten eine obere Traverse sowie eine Mittelleiste in halber Höhe oder ein Abstand von höchstens 30 cm bei vertikalen Stäben. 

Sobald Kinder anwesend sein können und eine ständige Aufsicht praktisch nicht gewährleistet werden kann, darf ein Geländer nicht bekletterbar sein. Dies ist massgeblich für Wohnbauten, Kindergärten, Volksschulen sowie z. B. in Gaststätten, Einkaufszentren oder Alters- und Pflegeeinrichtungen.

Wie hoch muss ein Geländer in der Schweiz sein?

Von der Begehbaren Fläche muss die Höhe eines Geländers mindestens 100cm betragen. Bei grossen Absturzhöhen müssen mit zusätzlichen Faktoren wie Unsicherheits- und Schwindelgefühlen gerechnet werden. Hier empfiehlt die bfu, Geländer ab 12 m um 10 cm zu erhöhen. Zudem wird bei Hochhäusern eine Erhöhung von mindestens 20 cm empfohlen. Die Xpress-Glas und Staketengeländer haben eine Höhe von 103cm und sind damit bis 12m Absturzhöhe zulässig. Bei Arbeitsschutzgeländern muss die Höhe mindestens 110cm betragen. 

Ab wo wird die Geländerhöhe gemessen?

Die Höhe von Schutzelementen muss von der am höchsten gelegenen begehbaren Fläche aus gemessen werden. Als begehbar gelten Flächen dann, wenn sie:

  1. Weniger als 65 cm über der massgebenden begehbaren Fläche liegen und 
  2. Man auf ihnen vergleichsweise gut, ohne besondere akrobatische Anstrengungen und ohne Zuhilfenahme der Hände stehen kann. 
 

Auftrittsflächen (siehe Person in Figur 1) mit mehr als 12 cm Tiefe beurteilt die bfu (Beratungsstelle für Unfallverhütung) als begehbar. 

Geländerhöhe ab besteigbarer Fläche

Als Besteigbar gelten Schmale Sockel oder Mauerkronen, die bestiegen werden können. Jedoch muss man sich am Schutzelement festhalten, um stehen zu können. Damit der Schutz für Kinder im Vorschulalter gewährleistet ist empfiehlt die bfu, dass Schutzelemente bei einer Auftrittsfläche bis 12 cm Breite eine Höhe von 75 cm aufweisen. Die Höhe von Schutzelementen ab begehbarer Fläche muss aber immer mindestens 100 cm betragen.

Welche Geländergeometrien sind in der Schweiz nicht zulässig?

Sobald nicht auszuschliessen ist, dass Kinder bei einem Geländer sein könnten (was ausserhalb von Industriebetrieben fast überall der Fall ist), muss die Geometrie der Geländer sicherstellen, dass diese nicht beklettert werden können. Die Norm SIA 358 definiert hierzu die Mindestvorgaben zur Geometrie von Geländern in der Schweiz. 

Horizontale Traversen, Horizontal gespannte Drähte, horizontale Traversen und auch Halterungen sind bekletterbar. Folglich muss das Beklettern durch geeignete Massnahmen verhindert oder erschwert werden. Dies kann zum Beispiel mit einer zusätzlichen Glasverkleidung erreicht werden. Gemäss BFU und AM-Suisse sind nach innen versetzte Handläufe nicht zulässig da diese bekletterbar sind.

Horizontaltraversen sind bei Geländern, die als Absturzsicherung dienen, nicht zulässig, da diese bekletterbar sind.

Welche Öffnungen dürfen Geländer haben?

Die Öffnungen in den Schutzelementen bis auf eine Höhe von 75 cm keinen grösseren Durchmesser als 12 cm haben. Öffnungen sind zu begrenzen, damit das Geländer nicht bekletterbar ist.

Geometrische Anforderungen Staketengeländer
Bei Staketengeländern darf keine Kugel grösser 12cm durch das Geländer passen.
Geometrische Anforderung bei Lochblech Geländern
Um Kindern das Klettern zu erschweren, gilt als Richtwert für Öffnungen in Füllungen ein Durchmesser von maximal 5 cm.
Bei Gitterfüllungen max. 4cm Maschenweite.

Wer haftet für unsichere Geländer?

Der Eigentümer oder Werkeigentümer hat gemäss Art. 58 OR zu garantieren, dass der Zustand und die Funktion seines Besitzes bzw. seines Werkes niemanden gefährdet. Das Geländer muss dementsprechend zu jeder Zeit die Unfallgefahr einschränken. Bei Gerichtsentscheiden über Werkmängel werden die Normen des SIA regelmässig rechtlich relevant.

Art. 58 OR
1 Der Eigentümer eines Gebäudes oder eines andern Werkes hat den Schaden zu ersetzen, den diese infolge von fehlerhafter Anlage oder Herstellung oder von mangelhafter Unterhaltung verursachen

 2 Vorbehalten bleibt ihm der Rückgriff auf andere, die ihm hierfür verantwortlich sind.

Welche Lasten muss ein Geländer aufnehmen können?

Ausführliche Angaben zur Statik finden Sie im Kapitel „Qualität„. In der Norm SIA 261 und Norm SN 640 wird die Mindestbelastung für Abschrankungen definiert. Man geht dabei von Kräften aus, die von oben auf ein Geländer mit einer maximalen Höhe von 1.20 m wirken:
– Wohn-, Büro und Verkaufsflächen: 0.8 kN / m Gebrauchs- resp. 1.2kN Traglast (bei einem Meter Pfostenabstand also 120kg auf jeden Pfosten)
– Versammlungsflächen: 1,6 kN / m (muss auf 3,0 kN / m erhöht werden, wenn ein Menschengedränge möglich ist)
– Lager-, Fabrikations-, Park- und Verkaufsflächen: 0,8 kN / m
– Brücken (ohne Menschengedränge): 1,6 kN / m
– Für spezielle Nutzungen müssen die Werte projektspezifisch festgelegt werden.

Das Xpress-Geländer sind auf 1.2kN/m Traglast (120kg/m) ausgelegt.