Beim Kauf eines Geländers gibt es einiges zu beachten, damit Sie lange Freude an dem Produkt haben. Ein Geländer, das nicht nach den Regeln der Baukunst entworfen und hergestellt wurde, kann schnell zu einem Ärgernis werden. Die relevanten Informationen, welche Sie benötigen, um die Qualität bei Geländern zu bewerten, haben wir Ihnen nachfolgend zusammengestellt.

Wir beziehen uns bei den Angaben untenstehend auf die technischen Richtlinien und Merkblätter der Metaltec-Suisse. Die Metaltec-Suisse ist der Branchenverband der Metallbauer.

Zusammenfassung – für Eilige

  • Material:  Baustahl soll im Innenbereich farbbeschichtet sein, im Aussenbereich Feuerverzinkt oder Duplexiert (Feuerverzinkt und Pulverbeschichtet oder Nasslackiert). Die Duplexierung ist eine anspruchsvolle Beschichtung. Falsch, respektive billig ausgeführt, kann es zu Blasen in der Farboberfläche oder abblättern der Farbe kommen. Bei rostfreiem Stahl soll die Verarbeitung desselben in einem getrennten Raum mit eigenen Maschinen (Weissraum) stattfinden, um eine Verunreinigung mit Baustahl zu vermeiden.
  • Befestigung und Verbindung:  Die meisten Schäden bei Geländern sind auf unterdimensionierte Befestigungen und rostende Verbindungsmittel zurückzuführen. Im Aussenbereich sind ausschliesslich teurere rostfreie Schrauben und Dübel der Qualität A2 oder A4 anstatt der galvanisch verzinkten Variante zu verwenden. Die Befestigung muss auf tragfähigen Untergrund mit ausreichender Anzahl und Grösse von Dübeln erfolgen. Die Fussplatten müssen genügend gross und dick sein, um die Lasten aufnehmen zu können. Eine vernünftige Grösse ist zum Beispiel eine Fussplatte 120x120x12mm mit 4Stk. Dübel M10.
  •  Statik: Für den Bereich ohne Menschengedränge mit 80kg/m Geländerholmlast können folgende Dimensionen für ein normgerechtes, klassisches Staketengeländer als Richtwert genommen werden: Pfostenabstand max. 1.2m, Pfosten aus Flacheisen 50/8 oder 40/15, Fussplatte wie oben beschrieben. Diese Angaben ersetzen keine Statik, sondern dienen lediglich einem Verhältnisvergleich zu bestehenden Geländern oder Planungsgrundlagen.

Material

Im Metallbau werden vorwiegend die Materialien Baustahl und Edelstahl verarbeitet. Das Xpress-Geländer besteht aus feuerverzinktem Baustahl, die optionale Farbeschichtung ist eine Pulverbeschichtung. Damit ist das Xpress-Geländer optimal für den Einsatz im Aussenbereich gerüstet. Nachfolgend finden Sie eine Übersicht zu den verschiedenen Materialien und  Oberflächenbehandlungen.

Baustahl:

Baustahl korrodiert (rostet) in Zusammenhang mit Feuchtigkeit, wenn der Stahl nicht geschützt wird. Um den Stahl zu schützen, wird die Oberfläche des Stahls versiegelt. Für den Geländerbau werden hierzu folgende Beschichtungen angewandt:

Feuerverzinken: 

Beim Feuerverzinken wird der Baustahl gereinigt und  in einer Zinkschmelze von ca. 450°C mit einer metallischen Zinkschicht überzogen. Grosse Vorteile des Feuerverzinkens sind zum einen der Hohlraumschutz. Während mit Farbeschichtungen nur die sichtbaren Oberflächen geschützt werden können, dringt der Zink auch zu verdeckten Teilen wie zum Beispiel in Rohre. Zum anderen ist der Zink elektrolytisch unedler als Stahl. Dies bewirkt, dass bei Beschädigungen der Zinkschicht der Stahl trotzdem durch die angrenzende Zinkschicht geschützt bleibt und nicht rostet. Der Zink kann so Beschädigungen bis ca. 3mm Breite überbrücken.

Eine Feuerverzinkung weist, wenn sie frisch ist, meist eine glänzende Oberfläche auf. Nach einiger Zeit wird diese matter. In den Bereichen von Schweissnähten trägt der Zink dicker auf. Dadurch werden die Schweissnähte nach dem Verzinken, auch wenn sie vorher plan geschliffen wurden, wieder sichtbar.

Farbbeschichtung:

Stahlteile werden entweder nass- oder pulverbeschichtet. Nasslacke werden mit einem Lösemittel dünnflüssig gemacht, anschliessend aufgespritzt und getrocknet. Nasslacke ergeben bis zu hochglänzende Oberflächen. Insbesondere bei Effektlacken (Glimmer) sind oft Nasslacke nötig. Beim Pulverbeschichten werden pulverförmige Lacke durch elektrostatische Ladung des Bauteils aufgetragen und anschliessend in einem Ofen bei hohen Temperaturen geschmolzen. Die Pulverlacke weisen im Vergleich zu den Nasslacken eine erhöhte Schlag-, Kratz- und Abriebfestigkeit auf.

Im Innenbereich ist eine reine Farbbeschichtung sinnvoll, da hiermit eine ebenere Struktur der Oberfläche erreicht werden kann, als mit einem verzinkten Bauteil. Im Aussenbereich müssen die Bauteile verzinkt und beschichtet (Duplex-beschichtet) sein. Ansonsten kann es bei kleinsten Verletzungen der Farbbeschichtung zu grossen Korrosionsproblemen kommen. Der Rost unterwandert die Farbbeschichtung. Zudem sind bei der Farbbeschichtung nur die sichtbaren Oberflächen geschützt, während verdeckte Oberflächen keinen Lack und damit auch keinen Korrosionsschutz haben. Für eine fachgerechte Duplex-Beschichtung ist eine umfangreiche Vorbereitung der verzinkten Bauteile nötig, ansonsten kann die Farbe am verzinkten Stahl abblättern oder blasen bilden. Zur Vorbehandlung werden die Teile zuerst verschliffen (feinverputzt), um Unebenheiten im Zink auszugleichen. Anschliessend werden die Bauteile staubstrahlgereinigt (sweepen). Dadurch wird die Oberfläche aufgerauht, was die Haftung der nachfolgenden Farbbeschichtung verbessert. Bei einer Pulverbeschichtung wird nach dem Sweepen zuerst eine Epoxy-Grundierung aufgebracht. Danach folgt der Polyester-Decklack in der Wunschfarbe. Eine qualitativ hochwertige Duplexierung erkennen Sie insbesondere an den verschiedenen Farbschichten der Grundierung und des Decklacks, falls es zu einer Beschädigung kommt.

Edelstahl:

Beim Edelstahl handelt es sich um einen Stahl, welcher zusätzliche Legierungsanteile enthält. Enthält ein Edelstahl mehr als 10,5 % Chrom, wird er als rostfrei bezeichnet. Die Bezeichnung „rostfrei“ ist jedoch etwas irreführend. Je nach Umgebung können diese Stähle rosten, für verschiedene Anwendungen gibt es verschiedene Legierungen. Besonders Salzwasser stellt für den gängigen rostfreien Stahl ein Problem dar.

Bei der Verarbeitung von Edelstahl muss darauf geachtet werden, dass dieser nicht in Berührung mit normalem Baustahl kommt. Werden auf denselben Maschinen Edelstahl und Baustahl verarbeitet, kann der Edelstahl Partikel des Baustahls aufnehmen und lokal rosten. Ebenso führen zum Beispiel Schleiffarbeiten an Baustahl in der Nähe zu Edelstahl zu Flugrost. Aus diesem Grund trennen professionelle Betriebe ihre Bereiche in einen Schwarz- (Baustahl) und Weissbereich (Aluminium und Edelstahl), in welchem ausschliesslich das jeweilige Material verarbeitet wird.

Schrauben und Dübel

Edelstahlschraube - Qualität bei Geländern

Sämtliche Verbindungsmittel bei Geländern in Aussenbereich sind rostfrei auszuführen. Als Material kann hier die Sorte A2 oder A4 verwendet werden. Der Werkstoff A4 weist eine höhere Säurebeständigkeit auf. Dies ist in Meeresküstennähe oder in Industriegebieten sowie in Schwimmbädern oder entlang von Autobahnen nötig. Galvanisch Verzinkte Befestigungsmittel sind im Aussenbereich ungeeignet. Zum einen werden die im Metallbau üblichen Schraubenabmessungen meist nicht in Feuerverzinkter, sondern nur galvanisch verzinkter Ausführung angeboten. Die galvanische Verzinkung weist eine viel dünnere Zinkschicht auf. Zudem wird beim Einbau zwangsläufig die sehr dünne Zinkschicht am Kopf sowie am Gewinde verletzt. Eine galvanische Verzinkung hat einen typischen Blaustich oder ist gelb, während Feuerverzinkte Schrauben matt grau sind.

Statik

Geländer werden allzu oft als Gestaltungselemente betrachtet, während die Funktion als Absturzsicherung, welche die zentrale Aufgabe des Geländers ist, vernachlässigt wird. Damit Sie die nötigen Dimensionen bei einem Geländer abschätzen zu können, haben wir nachfolgend ein Mustergeländer für den privaten Bereich dargestellt:

Normkonformes Geländer - Erfüllt Geometrie und Statik

Dies soll nicht als Ersatz für eine statische Bemessung dienen, sondern Ihnen ermöglichen, allfällige stark unterdimensionierte bestehende Geländer oder bei Neubauten offensichtlich falsche Planungsgrundlagen zu erkennen. Das Mustergeländer ist nicht mit dem Xpress-Geländer vergleichbar, da das Xpress-Geländer mehr Befestigungspunkte und keine Pfosten hat und somit viel filigraner wirkt. Ein klassisches Staketengeländer sollte jedoch Abmessungen in den gezeigten Grössenordnungen aufweisen. Kleinere Pfostenabstände ermöglichen auch feinere Pfosten und Fussplatten, während grössere Pfostenabstände entsprechend stärkere Pfosten und grössere Fussplatten/Dübel bedingen. Eine Befestigung der Pfosten in die Stirnseite bedingt stärkere Pfosten, je länger die Pfosten werden, desto stärker müssen diese sein.

Ein Geländer, das ungenügend als Absturzsicherung dient, ist nach OR Art. 58 ein Werkmangel im Sinn der Werkeigentümerhaftung. Der Werkeigentümer (Hauseigentümer) haftet, wenn der Schaden auf eine fehlerhaft erstellte oder mangelhaft unterhaltene Absturzsicherung zurückzuführen ist. Nach der Rechtsprechung ist eine Absturzsicherung dann mangelhaft, wenn sie bei bestimmungsgemässem Gebrauch ihre Zweckbestimmung nicht oder nur ungenügend erfüllt. Das heisst, dass die Absturzsicherung nicht nur in Bezug auf Höhe und geometrische Ausbildung, sondern auch in Bezug auf die Tragsicherheit im Hinblick der zu erwartenden möglichen Beanspruchungen während der gesamten Lebensdauer genügen muss.

Die Vorgaben für die Bemessung eines Geländers wurden übersichtlich in der technischen Richtlinie TR001 der Metalltec-Suisse (Branchenverband der Metallbauer) zusammengefasst. Die statischen Werte, für welche ein Geländer zu bemessen ist, sind in der Norm SIA 261 geregelt. Das Xpress-Geländer ist für die Nutzlasten Kategorie A, B, D, E, F und G bemessen. Dies sind Wohn-, Büro- und Verkaufsflächen sowie Lager-, Fabrikations-, Park- und Verkehrsflächen. Bei diesen Kategorien gilt eine horizontale Nutzlast auf den Handlauf des Geländers von 0.8kN/m, was 80kg/m entspricht. Bei Versammlungsflächen, Kategorie C, gelten 1.6kN/m, respektive 160kg/m. Bei der Statik wird zum einen die Tragfähigkeit beurteilt, welche besagt, ob das Geländer bei der verlangten Nutzlast hält. Zum anderen wird die Gebrauchstauglichkeit bemessen. Diese definiert die maximale Durchbiegung eines Geländers bei Last.